Gunter Demnig verlegt vier Stolpersteine vor dem Nordwalder Bürgerzentrum
Nach zweijähriger intensiver Vorbereitung wurde heute Vormittag vor dem Bürgerzentrum in Nordwalde ein sichtbares Zeichen der Erinnerung gesetzt. Der Künstler Gunter Demnig verlegte im Beisein zahlreicher Bürgerinnen und Bürger vier Stolpersteine, die den Opfern der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Verbrechen gewidmet sind.
Bürgermeister Oliver Hordt begrüßte die Anwesenden und betonte in seiner Ansprache die Bedeutung dieses Gedenkens für die heutige Gemeinschaft: „Das Schicksal dieser vier Mitbürger holen wir heute zurück in unsere Lebenswelt, in der ihre Verwandten bis heute Teil unserer Mitte sind – als Nachbarn, beim Spaziergang oder beim Schützenfest.“ Er mahnte, dass die Geschichte von Albert Wessels, Bernard Ruhkamp, Bernard Feld und Anton Pferdekamp den Terror der NS-Zeit unumgänglich mache: „Die Schicksale lassen Ausgrenzung und Euthanasie nicht weit wegschieben, sondern machen uns bewusst, dass dieses Unrecht direkt vor unserer Haustür stattfand.“
Das größte dezentrale Mahnmal der Welt
Im Anschluss hieß der Bürgermeister den Künstler Gunter Demnig willkommen. Demnig, der das Projekt vor über 30 Jahren initiierte, hat mittlerweile über 116.000 Stolpersteine in 31 europäischen Ländern und mehr als 1.860 Kommunen verlegt. Das Kunstprojekt gilt heute als das größte dezentrale Mahnmal der Welt und gibt den Opfern, die in der NS-Zeit zu Nummern degradiert wurden, ihre Namen und ihre Würde zurück.
Engagement der Jugend und persönliche Einblicke
Ein besonderer Fokus der Veranstaltung lag auf der Einbindung der jungen Generation. Oberstufenschülerinnen und -schüler der Kardinal-von-Galen Gesamtschule präsentierten unter der Leitung ihrer Lehrerin Frau Feuerabend-Weiland die Ergebnisse eines Unterrichtsprojekts. Sie hatten sich intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und gaben den Opfern durch ihre Beiträge eine Stimme.
Besonders emotional wurde es, als Dieter Pferdekamp, der Neffe des Opfers Anton Pferdekamp, das Wort ergriff. In einer bewegenden Rede teilte er die Ergebnisse seiner persönlichen Recherchen. Er zitierte aus Aufzeichnungen der NS-Zeit und schilderte die Leidenswege der Betroffenen durch verschiedene „Heilanstalten“. Diese persönlichen Einblicke machten die Grausamkeit der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen für alle Anwesenden greifbar.
Namen für die Ewigkeit bewahrt
Während der Redebeiträge verlegte Gunter Demnig die Messingtafeln im Pflaster vor dem Bürgerzentrum. Dass die Lebensdaten von Albert Wessels, Bernard Ruhkamp, Bernard Feld und Anton Pferdekamp heute so präzise dokumentiert werden konnten, ist maßgeblich den jahrzehntealten Aufzeichnungen von Pfarrer Jansen zu verdanken.
Mit der heutigen Verlegung sind ihre Namen nun dauerhaft im Ortsbild von Nordwalde verankert – als Mahnung für die Gegenwart und als Zeichen des Respekts für die Zukunft.
